

Konzerte für Kranke als medizinische Fallstudien
Hörlabore in rezeptiven Musikexperimenten des 19. Jahrhunderts
pp. 43-69
in: Monika Ankele, Sophie Ledebur, Céline Kaiser (eds), Aufführen – Aufzeichnen – Anordnen, Berlin, Springer, 2019Abstract
Die kurative Anwendung von Musik im medizinischen Rahmen entwickelte sich seit Ende des 18. Jahrhunderts vorwiegend über rezeptive Verfahren, bei denen die Patienten ausschließlich als Hörer einer von Maschine oder Mensch abgespielten Musik folgen. Über das Hören unterschiedlichster Musik soll sich der Zustand der Patienten verändern. Der Beitrag widmet sich der Aufarbeitung historischer Beispiele, in denen verschiedene Aspekte der experimentellen Anordnung erzählt werden: die Umstände der Durchführung, die Beobachtung des Experiments wie auch das dort verwendete musikalische Material. Indem dadurch Verlauf und Observation von Hörvorgängen hinterfragt werden, lassen sich Brüche und Kontinuitäten methodischen Wissenserwerbs zur ästhetischen, akustischen, musikalischen und räumlichen Differenzierung einer therapeutisch inszenierten Hörsituation bis in das 20. Jahrhundert herausarbeiten.