

Der dekonstruierte Terrorist
Erkenntnisse und Aporien konstruktivistischer Thematisierung von Politik am Beispiel des Islamistischen Terrorismus
pp. 217-234
in: Renate Martinsen (ed), Spurensuche, Berlin, Springer, 2014Abstract
Der vorliegende Beitrag diskutiert die Erkenntnispotentiale und Probleme konstruktivistischer Kritik in der Linie Nietzsche-Foucault-Said. Dies geschieht am Beispiel von vier aktuellen Monografien amerikanischer Geistes- und SozialwissenschaftlerInnen, die an diese Linie anknüpfen, um den islamistischen Terrorismus und seine Repräsentation zu thematisieren: Mahmood Mamdanis Good Muslim, Bad Muslim, Jasbir Puars Terrorist Assemblages, Talal Asads On Suicide Bombing und Judith Butlers Frames of War.Der Beitrag kommt zu einem ambivalenten Ergebnis. Auf der einen Seite werfen die vier AutorInnen wichtige Fragen auf: Mamdani und Puar diskutieren, inwieweit es sich bei gängigen Darstellungen des islamistischen Terrorismus um die projektive Konstruktion eines Gegenbildes handelt; Asad und Butler fragen, inwieweit der normativ aufgeladene Begriff Terrorismus dazu dient, eigene Gewalt zu legitimieren und die Gewalt der anderen zu dämonisieren. Auf der anderen Seite kranken die von den AutorInnen gegebenen Antworten an denselben Problemen, die auch Edward Saids Kritik prägten: Sie neigen zu reduktionistischer Polemik und verwickeln sich sowohl repräsentationstheoretisch als auch normativ in Widersprüche.