

Aufzeichnung oder Anordnung?
Zum psychiatrischen Lehrfilm am Beispiel der "Audiovision" an der Heidelberger Psychiatrischen Klinik in den 1970er-Jahren
pp. 207-226
in: Monika Ankele, Sophie Ledebur, Céline Kaiser (eds), Aufführen – Aufzeichnen – Anordnen, Berlin, Springer, 2019Abstract
Unter den in der Psychiatrie gebräuchlichen Aufschreib- und Aufzeichnungssystemen spielen der Film und später die Videoaufzeichnung (mit Ton) eine besondere Rolle, scheint sie doch auf den ersten Blick eine "ungefilterte", "objektive" Dokumentation zu sein. "Verwickelte pathologische Bewegungsabläufe", sonst kaum beschreibbar, sollten sichtbar, konservierbar und auch zwischen verschiedenen psychiatrischen Einrichtungen vergleichbar gemacht werden. Ebenso glaubte man, rein psychopathologische Symptome in Reinform darstellen und zu einer Art "Videoenzyklopädie" psychiatrischer Symptome zusammenfassen zu können – dies sollte nicht nur dem Unterricht dienen, sondern auch die Entwicklung einer allgemein gültigen Klassifikation erleichtern.Der vorliegende Beitrag nimmt die Entstehungsweise psychiatrischer Lehrfilme am Beispiel von Filmdokumenten in den Blick, die in den 1970er und 1980er Jahren in der vorwiegend psychopathologisch ausgerichteten Heidelberger Universitätspsychiatrie entstanden sind. Der Einführung und Kontextualisierung dient ein kurzer Rückblick auf andere psychiatrisch genutzte Aufzeichnungssysteme.